Vorwort


Heute etwa vor fünf Jahren - im Oktober 2003 - gesellte sich zu den damals wie Pilze aus dem Boden schiessenden "Heidenseiten" eine weitere dazu: ingwaz.de. Von einem Text inspiriert und zudem noch mit ungenutztem Platz im weltweiten Netz - neudeutsch "Webspace" - ausgestattet, war es naheliegend, beides zu vereinen und der Weltöffentlichkeit zugänglich zu machen. Was anfangs noch mehr oder weniger Zeitvertreib war, artete bald in ein Projekt aus. Es sollte sich von den anderen Seiten, die meist nicht tiefer gingen als die Aufzählung der Götter- und Runennamen und zudem noch in düsteren Farben und Frakturschrift daher kamen, unterscheiden. Eine informative Plattform für alle Interessierte auf der Suche nach der eigenen Identität und spiritueller Heimat. ingwaz.de erreichte auch gewisses Ansehen und überlebte viele andere Seiten mit gleich gearteter Aufstellung. Mittlerweile sind wir aber zu der Auffassung gelangt, dass es besser wäre, die germanische Geschichte und Mythologie als eigenständig genug zu betrachten, um jedem Themengebiet eine eigene Präsenz zu widmen. Daher wird von nun an die spannende Geschichte der Germanen weiterhin auf ingwaz.de zu lesen sein, die Betrachtungen der Mythologie aber finden Sie von nun an auf dem Schwesterprojekt www.vanatru.de

Worum geht es? Wie in der Kopfleiste erwähnt, um germanische Geschichte. Die germanische Geschichte endet mit den gewaltsamen Christianisierungsbestrebungen Karls des Großen (Sachsenschlächters), welcher schnell die Vorteile einer "Religion", die die Menschen damals wie heute völlig entmündigte, erkannte und sich für seine Expansionspolitik zunutze machte.

Lange bevor die "Himmelsscheibe von Nebra" entdeckt wurde, war uns - den Autoren dieser Seite - klar, daß unsere germanischen Vorväter und -mütter über sehr viel mehr Wissen und Kultur verfügten, als ihnen Jahrhunderte lang von den Amtskirchen zugebilligt wurde. Schließlich musste das weit verbreitete Dogma vom "ex oriente lux" mit aller Macht aufrecht erhalten werden. Aber mit dem Christentum kam nicht die Erleuchtung, sondern die kollektive geistige Umnachtung; darüber hinaus verloren die freien Germanen ihre Souveränität, mit der sie bisher in den Thingen ihr eigenes Wohl und Wehe bestimmen konnten und mußten sie an die Fürsten von "Gottes Gnaden" abtreten. Unfreiwillig, versteht sich.

Spätestens jetzt, liebe Leserinnen und Leser, dürfte klar sein, daß wir für die mosaischen Buchreligionen zum einen und für die Amtskichen im besonderen nichts übrig haben. Wenn Sie sich davon angegriffen fühlen, wäre jetzt die beste Gelegenheit, die Seiten von ingwaz.de zu verlassen. Falls nicht, seien Sie versichert, daß es uns völlig egal ist, ob sie an Gott, Buddha, Micky Maus oder ein Pfund Hackfleisch glauben - Heiden wie wir sind überaus tolerant. Wir werden nur nicht gerne verfolgt, verleugnet und umgebracht, weil wir nicht an das glauben, wovon andere vielleicht der Meinung sind, das es das einzig Wahre und Richtige zu sein hat. Um es kurz zu machen: Wir sind der festen Überzeugung, daß alle Götter und Gottheiten ein Existenzrecht besitzen, denn schließlich haben alle eines gemeinsam: Sie werden durch die Phantasie der Menschen erschaffen! Und das ist der springende Punkt. Nicht Götter haben die Menschen erschaffen, sondern die Menschen ihre Götter. (siehe auch hier) Da ist nichts Schlechtes oder Verwerfliches dran, im Gegenteil, Glaube versetzt bekanntlich Berge und ein spiritueller Weg ist allemal besser als ein orientierungsloses Dahinvegetieren. Nur wenn Glaube durch eine "Religion" gleich welcher Couleur instrumentalisiert wird und die Gläubigen bestenfalls um ihre Habe erleichtert und schlimmstenfalls zu einer durch ihre "Religion" legitimierte Mörderbande werden, die im Namen ihres "Gottes" Andersgläubige massakrieren und ganze Kontinente ethnisch "säubern", ist Schluss mit lustig. Wer sich in Geschichte ein wenig auskennt, weiß, was wir meinen. Das Traurige daran ist, daß die Geschichte von morgen heute geschrieben wird und sich nichts ändert.

Nur von dem, was wir mit eigenen Augen gesehen und selbst erlebt haben, können wir mit hundertprozentiger Sicherheit behaupten, es zu wissen.  Alles andere jedoch glauben wir lediglich. Wir glauben zu wissen, was andere uns berichten. Tagtäglich prasselt eine Fülle von Informationen auf uns ein, Nachrichten aus allen Gebieten der Welt, seien es aktuelle Geschehnisse oder Dokumentationen aus längst vergangener Zeit. Wir nehmen es zur Kenntnis und bereichern unseren Wissensschatz. Ob wir das Berichtete glauben oder nicht, bleibt uns selbst überlassen. Leider hat es sich eingebürgert, vieles zu glauben, ohne es kritisch zu hinterfragen. Es bleibt uns oftmals auch gar nichts anderes übrig, fehlt uns doch erstens die Zeit und zweitens die Möglichkeit, selbst zur Quelle des Geschehens zu gelangen, weil das Geschehene selbst schon längst Vergangenheit ist, bevor wir Nachricht davon erhalten. Und hier liegt das große Problem der Nachrichtenübermittlung. Sie unterliegt immer und überall der Subjektivität des Nachrichtenübermittlers. 

Bevor wir nun eintauchen in die Geschichte der Germanen, lassen Sie uns noch ein Wort über die Quellen verlieren. Sie sind spärlich und überaus subjektiv. Sie berichten von Kriegen und ihren Führern, von Siegen und Niederlagen, von längst vergangenen Völkern - aber wenig bis nichts von den Lebensumständen der Menschen. Geschichtsschreiber aller Epochen haben eigentlich mehr gedichtet als berichtet. Geschichtsschreiber aller Epochen unterlagen auch dem jeweiligen Zeitgeist und tun es heute noch immer. Ein Buch über germanische Geschichte aus der Romantik liest sich anders als ein Buch über germanische Geschichte aus der politisch korrekten Neuzeit.

Für die Betrachtung der Geschichte der Germanen bis zu ihrer gewaltsamen Christianisierung müssen uns die Aufzeichnungen der Griechen und Römer der Antike genügen, da es aus dieser Zeit keine germanischen Aufzeichnungen gibt. Und so wird denn ein Geschichtswerk von Gotthold Klee - erschienen 1912 im Bertelsmann-Verlag - »Bilder aus der älteren deutschen Geschichte« die Grundlage der folgenden Seiten bilden und wo nötig, durch andere Werke neueren Datums ergänzt, so sich denn in der Zwischenzeit neue Erkenntnisse  - etwa durch Ausgrabungen - aufgetan haben. Wir haben uns für dieses Werk entschieden, weil es umfassend und in chronologischer Reihenfolge die antiken Berichte aufgreift und völlig ideologiefrei daherkommt, wenn man die zu dieser Zeit noch durchaus übliche national-patriotische Einfärbung, die sich mitunter am Schreibstil festmacht, außer acht lässt. Einige Begriffe und Schreibweisen sind mittlerweile ausgestorben, wir haben uns erlaubt, diese zu ersetzen. Wo wir der Meinung waren, dass zusätzliche Erklärungen zum besseren Verständnis verhelfen würden, haben wir Fußnoten eingefügt.

Die Autoren,  im Oktober 2008